ONIX DESIGN • Typografie für Einsteiger
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Typografie; Grundlagen - Schriftfamilien & Begriffe
Schrift, Mikrotypografie & Makrotypografie:
Grundlagen der Schrift
In diesem Beitrag möchte ich einige der wichtigsten Begriffe und Schriftgruppen zum Thema Typografie-Grundlagen; Schriftfamilien & Begriffe erklären. Zunächst sei gesagt, dass die aufgeführten Bereiche und Erklärungen nur an der Oberfläche kratzen. Denn der tatsächliche Umfang wäre kaum in einem einzigen Beitrag unterzubringen. Mein Ziel ist es, Ihnen einen Einblick in das Thema Typografie zu geben.
Um Ihnen die verschiedenen Schriften und Bestandteile zu veranschaulichen, verwende ich das Schriftmusterwort „TPOgRraäfied 0123„. Indem ich diese Kombination aus Buchstaben und Ziffern verwende, können Sie den Duktus einer Schrift gut erkennen.
Schrift und Hausschrift
Schrift, Mikrotypografie & Makrotypografie ist nicht nur eines der essenziellen Bestandteile eines Corporate Designs und von Gesamtgestaltungen, sondern kann durch richtige Verwendung zur visuellen Klammer und zum Markenzeichen eines Unternehmens werden. Folglich ist Schrift sehr vielfältig und besitzt einen prägenden Charakter, der sich mit einem hohen Anteil auf das gesamte Erscheinungsbild eines visuellen Auftritts auswirkt.
Dennoch bemerke ich immer wieder bei Beauftragungen, dass eine Hausschrift nicht die nötige Beachtung seitens des Auftraggebers erhält. Dabei ist die Unterdisziplin von entscheidender Bedeutung, um einen individuellen und eigenständigen Charakter eines Corporate Designs schaffen zu können. Wenn bei der Schrift auf eine viel genutzte, etablierte Gebrauchsschrift zurückgegriffen wird, schwächt dies die Möglichkeiten, sich von der Konkurrenz abzuheben. Schließlich sollte der Grundgedanke in der Entscheidung, ein Corporate Design erstellen zu lassen, darin liegen, sein Unternehmen gegenüber der Konkurrenz zu stärken. Und hierdurch ein eigenständigen, unverwechselbaren Auftritt zu erhalten. Hierbei sind Standardschriften wie Arial, Helvetica, Verdana und Times keine guten Gestaltungswerkzeuge. Denn Schrift kann mehr und ist ein prägendes Element für das Design.
Typografie; Grundlagen – Schriftfamilien & Begriffe
Mikrotypografie & Makrotypografie
Zunächst möchte ich erklären, wie sich die Disziplin Typografie im Grafikdesign zusammensetzt.
Typografie besteht aus Teilbereichen, schlussfolgernd aus der Benennung der Überschrift, sind Mikrotypografie & Makrotypografie zwei sehr wichtige. Denn sie bilden mitunter die Grundlage in der Gestaltung, zum Beispiel in Printmedien oder auf Webseiten.
Im Allgemeinen beschäftigt sich die Mikrotypografie mit der Wahl einer Schriftart und ihren feinen Einstellungen wie Schriftgröße, Zeilenhöhe, Laufweite und Kerning. Somit geht es hierbei um die Schrift an sich und ihr Erscheinungsbild.
Hingegen werden bei der Makrotypografie relevante Bereiche des Gestaltungsrasters bearbeitet. Somit gehört das Erstellen von visuellen Gliederungen, das Festlegung von Abständen und Platzierungen zum Bereich der Makrotypografie. Hierbei wird festgelegt, wo zum Beispiel Bilder platziert werden sollen und welche Abstände Absätze oder Überschriften zu anderen Elementen haben. Ebenso wie die Ausrichtung von Text und Grafiken sowie die Spaltenbreite werden in diesem Bereich festgelegt. Dementsprechend geht es hierbei um grundlegende Einstellungen für das Erscheinungsbild des Layouts.
Es wird wieder einmal deutlich, wie wichtig das Thema Typografie im Corporate Design ist. Nicht nur die Schriftart, sondern auch die Makrotypografie sind ein wichtiger Schlüssel für das visuelle Erscheinungsbild eines Designs.
Typografie; Grundlagen – Schriftfamilien & Begriffe
Begriffe der Grundlagen - Schrift
In den nachfolgenden Texten werde ich einige Begriffe zum Thema Typografie (Mikrotypografie & Makrotypografie) nutzen, deshalb möchte ich diese gerne vorher erklären. Der gesamte Umfang an wichtigen Fachbegriffen ist natürlich deutlich größer, aber ich erkläre hier nur die Begriffe, die für die weiteren Texte relevant sind.
Schrift & Schrift-Anatomie
Minuskel und Majuskel
Minuskel ist der Fachbegriff für Gemeine (Kleinbuchstaben) und Majuskel für Versalien (Großbuchstaben), aufgrund dessen spricht man zum Beispiel bei der Capitalis Monumentalis von einer Majuskelschrift. Denn sie besteht vollständig aus Großbuchstaben.
Antiqua
Antiqua bezeichnet eine spezifische Art von lateinischer Schrift, die durch die Verwendung von Serifen gekennzeichnet ist. Ihre Wurzeln liegen in der humanistischen Schreibweise des 15. Jahrhunderts, die auf der Kombination von Capitalis Monumentalis (Majuskelschrift) und humanistischer Minuskel basiert. Der Begriff „Antiqua“ umfasst sowohl serifenlose als auch serifenbetonte Schriften.
Serifen
Serifen bezeichnen Ansätze an Linien und Stämmen von Buchstaben und wirken wie Verzierungen der Buchstaben, daher werden sie häufig von Laien als Schnörkel bezeichnet. (Tropfen und Fähnchen könnte man im erweiterten Sinn auch dazuzählen, deshalb habe ich diese im Anschauungsbild mit markiert. Zudem erkläre ich, weiter unten in der Anatomie-Grafik, worum es sich dabei handelt.)
Schattenachse
Bei manchen Schriften fällt erstens auf, dass sie anscheinend in ihren Rundungen eine Neigung haben und zweitens ungleichmäßige Strichstärken aufweisen.
Von Hand geschriebene Schriften, werden in der Regel mit dem Arm aus einer seitlichen Richtung geschrieben, dadurch entstehen Strichstärkenunterschiede und Schrägstellungen in den Rundungen. Diese Strichstärkenachse (Schattenachse) sind deutlich in der Renaissance Antiqua (wird gleich erklärt) sichtbar, folglich wird hier eine handgeschriebene Schrift imitiert. Bei Kalligraphie-inspirierten Schriften, wird dies absichtlich eingesetzt, und somit eine künstlerische Wirkung erzielt.
Schrift - Formate & Einstellungen
Ziffern; Versalziffern und Mediävalziffern
„Versalziffern“ sind Ziffern, die alle dieselbe Höhe haben und sich an der Versalhöhe orientieren. Im Gegensatz dazu orientieren sich „Mediävalziffern“ an der x-Höhe, also der Größe der Kleinbuchstaben.
Schrift - Auszeichnung
Als „Auszeichnung“ bezeichnet man das visuelle Hervorheben von Textteilen oder Wörtern, zum Beispiel durch die ausschließliche Verwendung von GROSSBUCHSTABEN, Fettdruck, Einfärben in einer anderen Farbe oder das Unterstreichen.
Passive Auszeichnung
Eine passive Auszeichnung ist zum Beispiel das Kursivschreiben als Auszeichnung.
Sperren
Unter „S p e r r e n“ versteht man eine Auszeichnung im Text, hier wird der Abstand zwischen den Wörtern erhöht (Spatien).
Kapitälchen
„Kapitälchen“ sind Versalien, die erstens auf normaler Versalhöhe oder zweitens auf der Höhe der Kleinbuchstaben gesetzt sind. Es ist in einigen Programmen möglich Schrift automatisch in Kapitälchen umzuwandeln, hierzu bietet zum Beispiel InDesign eine Lösung an.
Diese Variante ist aber nicht zu empfehlen, hierdurch wird der Duktus der Schrift verfälscht. Denn die Linienstärke wird ebenfalls kleiner skaliert und die Kapitälchen wirken zu dünn. Hier spricht man von „falschen Kapitälchen“. Echte Kapitälchen hingegen müssen vom Designer einer Schrift extra angefertigt werden, dadurch besitzt nicht jede Schrift zusätzlich entworfene Kapitälchen.
Typografie; Grundlagen – Schriftfamilien & Begriffe
Typografie; Grundlagen - Schriftfamilien & Begriffe<DIN 16518; Schriftgruppen
Nun kommen wir zum Kern des Beitrags „Typografie; Grundlagen – Schriftfamilien & Begriffe“, die Schriftfamilien | Gruppen. Das Thema Schriftfamilien ist umfangreich und ich möchte mich auf das Wesentliche konzentrieren, daher führe ich hier nur die grundlegendsten Informationen zusammen. Eine der wichtigsten Schriftkategorien sind Antiquaschriften, diese gehen auf die humanistische Schreibweise des 15. Jahrhunderts zurück. Sie sind durch die Verwendung von Serifen gekennzeichnet und daher in der Regel besser lesbar als serifenlose Schriften. Der Begriff „Antiqua“ kommt von „Antiquus“ und bedeutet „alt“ oder „antik“.
Antiquaschriften sind eine grundlegende Schriftkategorie und dadurch sehr wichtig für die Schriftgestaltung, sowie der Mikrotypografie & Makrotypografie. Sie sind bekannt für ihre Lesbarkeit und Eleganz. Somit ist ein gutes Verständnis für Antiquaschriften nützlich bei der Gestaltung von Logos und anderen visuellen Gestaltungselementen.
In den frühen 1960er Jahren entstand die DIN 16518, diese definiert Schriftgruppen und fasst Schriften in Kategorien zusammen. Dadurch ist sie für Designer sehr wichtig, sie wird zur Orientierung und Eingrenzung benötigter Schriften für Gestaltungen genutzt.
Schriftgruppen nach DIN 16518
- Venezianische Renaissance Antiqua (Gruppe I)
- Französische Renaissance Antiqua (Gruppe II)
- (Barock-Antiqua) eine Übergangsantiqua (Gruppe III)
- Klassizistische Antiqua (Gruppe IV)
- Serifenbetonte Linear-Antiqua (Egyptienne) (Gruppe V)
- Serifenlose Linear-Antiqua (Sans Serif/ Grotesk) (Gruppe VI)
- Antiqua-Varianten (Zierschriften) (Gruppe VII)
- Schreibschriften (Gruppe VIII)
- Handschriftliche Antiqua (Handschrift auf Antiqua-Regeln) (Gruppe IX)
- Gebrochene Schriften (Gruppe X)
- Fremde Sprachen (chinesisch, griechisch, etc.) (Gruppe XI)
Typografie; Grundlagen – Schriftfamilien & Begriffe
Die wichtigsten Schriftgruppen für das Design
Ich werde nun die wichtigsten Schriftgruppen, nämlich Gruppe I bis VI, vorstellen (Gruppe III – die Barock-Antiqua werde ich hier einmal auslassen. Denn es handelt sich bei Gruppe III um eine Übergangsantiqua, hierzu werde ich in einen anderen Beitrag mehr schreiben.) Bitte beachten, dass ich nur oberflächliche und einfache Zusammenfassungen gebe. Hierdurch möchte ich den Beitrag „Typografie; Grundlagen – Schriftfamilien & Begriffe“ einsteigerfreundlich halten.
Venezianische Renaissance Antiqua
Die Serifenschrift wurde um 1495 geschaffen (1464 wurde bereits in einer frühen Form von Antiquaschriften gedruckt). Im Buchdruck liegt die primäre Verwendung, besonders für Fließtext. Die Schrift hat einen ausgeprägten organischen Charakter und moderate Strichstärkenunterschiede. Der Formenkanon orientiert sich an der römischen Capitalis (die Zeichen füllen ca. ein Quadrat oder ein halbes Quadrat), wodurch die Rundungen des „O“ teilweise kreisrund sind und die Schattenachse hat eine auffallende Neigung. Eine der stärksten (aber nicht immer zutreffende) Eigenschaft, ist eine deutliche Schrägstellung des Querstrichs des „e“.
Anwendungsbereiche: Fast ausschließlich in der Romantypografie.
Französische Renaissance Antiqua
Der direkte Nachfahre der Venezianischen Renaissance Antiqua, der um 1520 entstanden ist, ist manchmal schwer von der dieser zu unterscheiden. Die Schattenachsen sind nicht mehr so stark geneigt, die Strichstärkenunterschiede zwischen horizontalen Haarlinien und vertikalen Stämmen sind deutlicher, der Formenkanon orientiert sich wie die venezianische R. A. an der römischen Capitalis (aber ein wenig schwächer) und die Schrift ist weniger organisch ausgeprägt (strenger in der Linienführung).
Anwendungsbereiche: Romantypografie (erste Wahl) und Werbung.
Klassizistische Antiqua
Mit der klassizistischen Schrift (18. Jahrhundert) die nach der Übergangsschrift (Barock-Antiqua – spätes 16. Jahrhundert) erschien, kam die Einführung von neuer Technik und der Vorliebe zu klaren Linien und statischen Formen. Im Gegensatz zur venezianischen und französischen Renaissance-Antiqua, die durch organische Formen gekennzeichnet waren, legt die klassizistische Antiqua besonderen Wert auf klare und senkrechte Linien. Die Schattenachsen sind kerzengerade, die Serifen sind filigran, kantig und im rechten Winkel angesetzt. Ein extremer Strichstärkenunterschied ist eines der deutlichsten Merkmale, zudem sind die Versalien fast in einer einheitlichen Größe. Dadurch ist diese Schrift als Fließtext für mich persönlich eine der unangenehmsten, auch die Weiterverarbeitung ist bezüglich der feinen Haarlinien oft schwierig. Aber als plakative Schrift wird sie gerne verwendet, somit findet man sie besonders häufig auf Mode- oder Kosmetikmagazinen.
Anwendungsbereiche: Fast ausschließlich zu plakativen Nutzen (Titel, Überschriften, etc.)
Serifenbetonte Linear-Antiqua
Aus der klassizistischen Antiqua entstanden zu Beginn des 19. Jahrhunderts serifenbetonte Antiqua (Egyptienne, Slabserif, serifenbetonte Antiqua & serifenbetonte Linear-Antiqua). Hier entstand eine starke Betonung auf die Serifen und Haarlinen. Diese Schrift ist besonders aus Zeitungen bekannt und immer noch dort dominierend. Später in der Mitte des 19. Jahrhunderts erhöhte man die Betonung der Serifen extrem und es entstanden Italienne, diese kennt man besonders aus Westernfilmen. Nach dem Erscheinen der DIN 16518, dominierten diese Schriften.
Anwendungsbereiche: Fast überall; Zeitungen, Werbung, Bücher, Titel und Headlines, Programmierung und viel mehr…
Serifenlose Linear-Antiqua
Zeitgleich zu der serifenbetonten Linear-Antiqua entstand die serifenlose Antiqua, auch bekannt als Groteskschrift. Der Name Grotesk ist Geschmackssache, ich mag ihn nicht. Er entstand dadurch, dass die Menschen das Weglassen der Serifen „grotesk“ fanden. Mir ist da der französischen Ausdruck Sans Serif (ohne Serifen) lieber.
Die serifenlose Linear-Antiqua ist neben dem Schriftgebrauch in Romanen, Zeitungen und Magazinen, die dominierende Schriftgruppe in der visuellen Kommunikation.
Anwendungsbereiche: Sie wird so gut wie in jedem Bereich verwendet.
Die serifenbetonte Linear-Antiqua und serifenlose Linear-Antiqua haben einige Untergruppen. Diese habe ich hier nicht zusätzlich noch aufgeführt, um das Thema überschaubar zu halten. Man kann noch sehr viel zu den Schriftgruppen und dessen Anwendung sowie Geschichte schreiben, aber soweit erst einmal zu den Typografie Grundlagen; Schriftfamilien & Begriffe.
Quellenangaben | Literaturverzeichnis
Markus Wäger: Grafik und Gestaltung, Rheinwerk Verlag, 2016
Baines, Phil / Haslam, Andrew: Lust auf Schrift – Basiswissen Typografie, Hermann Schmidt, 2002
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IHK: Berufsausbildung, Mediengestalter Digital und Print
- Veröffentlicht:
- Zuletzt aktualisiert:März 8, 2024